Frühlingsbeginn 2026
- Isabelle Burkhalter

- vor 3 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag
Es gibt nichts Weltbewegendes zu berichten, es ist einfach höchste Zeit, wieder einmal etwas von uns auf unserem Blog hören zu lassen. Da es gerade zu aufwendig ist, die vergangenen Monate zusammenzufassen, schreibe ich, was im letzten Monat bei uns so gelaufen ist.
Das Wetter anfangs März war trocken und sonnig; perfekt, um unsere Wiesen und Weiden für einen hoffentlich ertragsreichen Frühling, Sommer und Herbst vorzubereiten. Dies bedeutet konkret: Der Mist musste rausgebracht und danach unser Land geeggt werden. Das Eggen dient dazu, die Erde der Maushaufen, von welchen es viele gab, und den gestreuten Mist zu verteilen.
Das Wetter war auch perfekt um den Zebus und Ziegen Zeit auf der Weide zu ermöglichen. Auch wenn es kaum etwas zu Fressen gibt, wir haben sie wie den ganzen Winter morgens und abends gefüttert, so geniessen sie die Bewegung, die Sonne und die Ablenkung.
Anfangs März waren noch Feriengäste da, welche mithelfen wollten. Sie haben schlussendlich unsere acht Kaschmirziegen das erste Mal gekämmt. Unterdessen wäre eine weitere "Kämmrunde" nötig, wir haben es noch nicht geschafft. Sobald es etwas wärmer wird draußen, fangen die Kaschmirziegen an, ihre schöne Unterwolle "abzuwerfen". Dieses Mal wird es die ersten Kaschmirgizi geben. Wir freuen uns und sind gespannt, was dies so mit sich bringen wird. Hoffentlich geht alles gut und bekommen nicht alle acht Ziegen gleich zwei Junge. 16 Gizi wären gerade etwas viel :)
Auch die Zebuherde verändert sich stetig: Mitte März hat unsere Tschubi knapp zwei Wochen zu früh ihr Kälbchen bekommen. Alles ging gut und das Kalb ist fit und munter. Am Sonntag vor einer Woche wurde Chulas erstes Kalb ein paar Tage zu spät geboren. Die Geburt ging schnell und ohne Probleme. Doch direkt nach der Geburt haben wir gesehen, dass das Kalb eine Fehlbildung hat; der Unterkiefer ist ein ganzes Stück kürzer als der Oberkiefer. Wir sahen schwarz für dieses Kalb und haben die Tierärztin angerufen, welche übers Wochenende unseren Tierarzt vertrat. Sie hatte viel zu tun und meinte, man müsse abwarten, ob es wird trinken können oder nicht. Nun ist Silvan seit mehr als einer Woche das Kalb am Schöppelen. Anfangs regelmäßig von morgens bis abends spät. Es kann am Euter trinken, irgendwie... in den letzten Tagen trinkt es immer weniger von der Flasche und wir hoffen, dies ist ein gutes Zeichen! Das Zeichen, dass es so viel bei seiner Mutter trinken kann, dass es die Flasche nicht mehr braucht. Wenn dies so ist, wäre dies ein erster wichtiger Schritt. Ein weiterer noch ungewisser Schritt wäre dann, ob das Kalb mit seiner Fehlbildung wird Gras fressen können.
So sehr wir das Bauernhofleben genießen, solche Situationen sind neben dem restlichen Alltag manchmal fast etwas zu viel... Es geht an die Substanz. Man will kein leidendes Tier, man will jedoch auch keinem Tier die Möglichkeit zu leben verwehren. So heißt es abwarten, beobachten und hoffen, dass alles gut kommt.
Am Montag vor einer Woche haben wir unsere Stiere "Bruno" und "Jean" in die Metz gebracht. Wir sind immer routinierter und somit auch ruhiger, um die Tiere am Vorabend von der Herde zu separieren und auch diese am Morgen früh zu verladen. Doch das Schlachten bleibt schwer. Wir sind dabei, bis zum Schluss, weil es für uns keine andere Option gibt und wir es aus unserer Sicht unseren Tieren schuldig sind.
Im Jura beginnt dieses Jahr bis 2031 das Projekt "ClimAgriculture", für welches wir uns beworben haben. In diesem Projekt kann man verschiedene Maßnahmen "testen", die im Umgang mit dem Klimawandel angemessen und zielführend sein könnten. Ich war an einem Infomorgen dazu; was dabei besonders hängen geblieben ist, ist der Fakt, dass es bis ca. 2070 im Jura durchschnittlich bis zu 4 Grad wärmer sein wird. Wie kann es noch immer so viele Menschen geben, die dies unbedenklich finden? Es wird davon ausgegangen, dass es längere Trockenperioden gibt, heftigere Niederschläge, mehr Frost im Frühling: Landwirtschaft wird nicht weniger herausfordernd und es ist Zeit, sich dafür zu wappnen. Mögliche Maßnahmen für uns können sein, Futterkulturen zu testen, welche hitze- und trockenheitsresistent sind. Ich hoffe, dass wir angenommen werden. Es würde für uns bedeuten, auf unserem Weg angemessene Maßnahmen zu finden, finanziell unterstützt zu werden und mehr mit anderen im Austausch zu sein. Dieses Projekt entspricht unserem Verständnis von Landwirtschaft, welches ist: die Dinge nicht stur so zu machen wie vor 100 Jahren, sondern die Landwirtschaft den aktuellen Gegebenheiten und Ressourcen anzupassen.
Rochus' Vertretung hat uns diesen Monat erlaubt, zwei Wochenenden frei zu machen. Das tut immer wieder gut. Diesen Winter hat Rochus jedes dritte Wochenende den Stall gemacht - das hat sich bewährt. Die Stallzeit ist körperlich anstrengend - die vielen Kilos Futter und Mist, welche wir täglich rum "gabeln" und schieben, gehen an die Substanz. Unsere Arm- und Schulterpartien sind besser trainiert, als dies im Fitnessstudio möglich wäre ;)
Nach mehr als 10 Jahren wird der Bauwagen, welchen ich damals als "Handwerkprojekt" neben meinem Bürojob angefangen habe umzubauen, endlich fertig ausgebaut! Ab Herbst 2026 gibt es bei uns eine neue Übernachtungsmöglichkeit: ein richtig toller Bauwagen! Wie es uns schon ein paar Mal ergangen ist, ging es auch dieses Mal: letzten Sommer war eine Camperin hier, ich habe mich mit ihr über den unfertigen Bauwagen unterhalten und sie meinte, sie würde diesen evtl. gerne zu Ende bauen. Sie hat viel handwerkliche Fähigkeiten und wird diesen Bauwagen selbständig und sehr professionell ausbauen. Und bezahlbar ist es auch. Wir freuen uns!
Doch der Bauwagen ist nicht die einzige Erweiterung unseres Hofes; wir haben uns entschieden, einen Aufzuchtstall für 450 "Bibeli" zu kaufen. Warum? Erstens, weil wir diesen relativ günstig von einer erfahrenen Person kaufen können, weil es zu wenig Bio-Pouletproduzenten gibt und weil wir selber gerne eigenes Poulet hätten :) Zudem übernehmen wir ab Mitte Mai den Hauswartsjob im Lagerhaus vom Blauen Kreuz bei uns in der Nähe. Dieser Job ermöglicht uns ein kleines Nebeneinkommen.
Neben dem Hofalltag beschäftigen wir uns immer wieder mit dem Thema "Umbau/Renovation" auf unserem Hof. Es gibt diverse Projekte, die wir in den nächsten Jahren in Angriff nehmen wollen und teilweise müssen. Einerseits müssen wir den Stall etwas umbauen, damit wir einfacher darin arbeiten können (zumindest bei der Arbeit überall gerade stehen können) und die Arbeitsabläufe einfacher und effizienter werden.
Ein weiteres großes Thema ist eine Heizung. Bis jetzt heizen wir unser Haus mit mehreren kleineren Holzöfen. Nur in der Ferienwohnung gibt es eine Zentralheizung, welche mit einem Holzofen betrieben wird. Das Heizen ist einerseits aufwändig; Holz muss gesägt, gespalten, getrocknet werden. Später immer wieder kistenweise ins Haus getragen werden. In der Nacht kühlt das Haus im Winter stark ab. Gewisse Bereiche wie z.B. unser Bad sind im Winter immer ca. 13 Grad kalt, weil es an zwei kalte unbeheizte Räume angrenzt. Einen Elektroofen brauchen wir, um beim Duschen nicht zu sehr zu frieren. Wir haben Offerten machen lassen für eine Wärmepumpe und eine Solaranlage, für welche unser Dach optimal wäre. Doch nun müssen wir zuerst unsere Einnahmen etwas optimieren, um dann weiter planen zu können.
Dieses Jahr steht erst mal der Bau der neuen Jauchegrube an. Da ist soweit alles geklärt, außer dass sich der Kanton und eine Stiftung, bei welcher ich ein Darlehen für den Hof habe, einig werden müssen, welcher Schuldbrief auf welchen Rang kommt. Jedes Mal, wenn ich denke: Nun kann es losgehen. Ich kann die Baufirma anrufen und wir können den Bau planen, taucht wieder etwas Neues auf, was geklärt werden muss. Langwierig ist diese Sache!
Mein Ziel ist es in ein paar Wochen wieder zu berichten... mal sehen ob ich diesen Vorsatz dieses Mal umsetzen kann oder ob wieder zu viele andere Sachen Priorität haben... Ich gebe mein Bestes ;)






















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